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YOGA - Eine Übersicht

Yogalehrer FortbildungDu kannst einen wilden Elefanten zähmen
Tiger und Bär zum Schweigen bringen;
mit Alchemie kannst du dein Brot verdienen;
unerkannt durchs Universum wandern;
die Götter zu deinen Dienern machen und ewig jung sein;
du kannst auf dem Wasser wandeln und im Feuer leben;
doch — den Geist zu beherrschen ist besser und schwerer.
(Thayumanavar)


Allgemeines

Yoga ist das Sanskritwort aus der Wurzel Yuj = Einspannen, vereinigen, beherrschen, Fertigkeit...
Yoga = Vereinigung, Verbindung.

Yoga als Überbegriff, steht für eine Vielzahl von Techniken, Wegen und Weltanschauungen. Innerhalb des Yoga gibt es viele verschiedene Formen und Schwerpunkte, auf die sich die Praktiker konzentrieren. Ziel dieser Praktiken ist die Einheit, die Gottesschau. Obwohl die Tendenz besteht, den persönlichen beschrittenen Weg als den einzig wahren und authentischen Yoga zu bezeichnen, existiert so etwas nicht und widerspricht dem Gedanken und Geist des Yoga (Vereinigung). Es stellt ein überkonfessionelles Lernsystem dar, dass unabhängig von jeglicher religiöser oder weltlicher Ausrichtung angewandt werden kann, um Gesundheit, innere Stärke und Harmonie zu erlangen.

Kurze Darstellung der Geschichte des Yoga

Yoga ist eines der sechs klassischen Systeme der indischen Philosophie, welches sich in erster Linie auf die Yoga Sutras von Patanjali bezieht.

Es wird vermutet, dass die yogischen Techniken bereits aus der vorarischen Zeit, aus der Induskultur 3000-1800 v. Chr. stammen. Diese Vermutungen werden durch Ausgrabungsfunde belegt, in welchen Personen in schwierigsten yogischen Stellungen zu sehen sind. Von einer systematischen Yoga Praxis kann aber wohl noch nicht gesprochen werden. Erwähnt und beschrieben werden einzelne Ekstatiker, deren Methoden und beschriebenen Techniken (Tapas, Askese) im späteren Yoga ebenfalls zur Praxis gehören.

Erste Erwähnungen yogischer Heilstechniken finden sich in der Taittiña Upanisad (II,4).

Seit der brahmanischen Phase (900-300 v. Chr.) fand Yoga in Indien zunehmende Verbreitung. Diese zunehmende Verbreitung fand ihren ersten Höhepunkt in einem der bis heute gültigen Hauptwerke des Yoga, den Yoga Sutras des Patanjali, welche in einem Zeitraum von mehreren Generationen um Christi Geburt herum entstanden. Weitere yogische Hauptwerke sind die Upanishaden (welche Teile der Veden sind), sowie die Hatha Yoga Pradipika, Shiv Samhita, Gherand Samhita und die Yoga Vashishta, um nur einige zu nennen.

Idee und Konzeption des Yoga

Yoga stellt einen seit Jahrtausenden beschrittenen Weg zur Selbstverwirklichung dar. Dabei geht es um das Erlangen der Einheitserfahrung, der Einswerdung mit Gott. Yoga stellt zur Erreichung dieser Ziele extrem potente Werkzeuge zur Verfügung, die dabei helfen, die jeweiligen Schritte machen zu können, um so das Ziel zu erreichen. Diese hohe, den Übungen innewohnende Kraft ist es, die ab einer gewissen Stufe die Unterweisung durch einen persönlichen Lehrer erforderlich macht. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war eine direkte Unterweisung des Schülers durch den Lehrer üblich. Erst die zunehmende Verbreitung des Yoga im Westen, welche mit den Reisen Swami Vivekanandas und Paramahansa Yoganandas seinen Anfang nahm, führte zu einer Wandlung dieser tradierten Lernform.

Heute lernen viele Menschen Yoga über Videos, mit Hilfe von Yogabüchern oder durch Kurzseminare. Für den Einstieg in Yoga ist dies ein durchaus geeignetes Mittel, birgt aber die Gefahr des Einübens falscher Gewohnheiten, der man sich bewusst sein sollte. Spätestens nach einigen Monaten eigenständiger Yogapraxis sollte die Unterweisung durch einen Lehrer erfolgen. So werden Fehler und die daraus resultierenden Folgen vermieden und der Gewinn aus der Yogapraxis wird wesentlich erhöht.

Yoga Wege

1. Jnan Yoga — Yoga des Wissens

Jnan (Gyan) = Wissen, Erkenntnis, Weisheit

Dies ist der direkteste Weg. Er nutzt die intellektuelle Kraft, um die Anhaftung an die materielle Welt zu lösen.

  • Studium der heiligen Schriften wie beispielsweise der Veden, Upanisaden, Epen (Mahabharat, Bhagavad Gita, Ramayan, Srimat Bhagavatam, Sri Ram Charit Manas) unter der Anleitung eines Lehrers.
  • Reflexion (z.B. Wer bin ich? Warum bin ich hier? Was ist real, was irreal?)
  • Meditation

(Berühmter Jnan Yogi: Ramana Maharshi)

2. Raja Yoga — Yoga der Geistes (Verstandes-) und Gedanken-Kontrolle

Raja = König, Raja Yoga = königliches Yoga

Im Raja Yoga wird der Geist systematische analysiert, um ihn so kontrollieren zu lernen und dadurch höhere Bewusstseinsebenen zu erreichen. Hierzu werden acht Stufen (Ashtang) durchlaufen.

  • Anwenden von Techniken um den Geist zu kontrollieren (Bsp. negative Gedanken beenden)
  • Studium der Sutras von Patanjali und weiterer Schriften
  • Körperpraktiken

Unterpfade des Raja Yoga sind:

Hatha Yoga, das sich auf den Körper konzentriert und fünf Eckpfeiler formuliert:

  1. richtiges Üben,
  2. richtiges Atmen,
  3. richtige Entspannung,
  4. richtige Ernährung,
  5. positives Denken und Meditation

sowie

Kundalini Yoga, das sich auf die Energien (Shakti/Shiva) konzentriert. Hier wird als erstes die vitale Lebensenergie mit Hilfe entsprechender Techniken zu kontrollieren gelernt.

(Berühmte Raja Yogis: Satguru Swami Sivananda, und viele seiner Schüler)

3. Bhakti Yoga — Yoga der Hingabe

Bhakti = Anbetung, Hingabe, Gottesliebe, Glaube, Beständigkeit

Die Selbstverwirklichung wird mit Hilfe der vollständigen Verehrung Gottes oder eines seiner Abbilder erreicht. Diese Verehrungspraktiken kommen in nahezu allen Religionen vor. Yoga weist besonders darauf hin, daß jeder Mensch Gott in der Form sehen und erfahren kann, wie er möchte.

  • beten, singen, Geschichten von Gott hören und erzählen
  • Rituale
  • vollständige Aufgabe des Ich vor Gott

Mit Hilfe der Techniken wird die Ich-Zentriertheit aufgelöst und der Mensch wird ein Werkzeug Gottes.

(Berühmte Bhakti Yogis: Mutter Theresa, Ramakrishna)

4. Karma Yoga — Yoga der Handlung und des selbstlosen Dienstes

Karma = Tat, Handlung, Aktivität

Karma Yoga kann immer praktiziert werden. Alle Handlungen, alles Tun wird Gott gewidmet und geopfert.

  • Aufgeben des persönlichen Gewinns, der aus Handlungen entsteht.
  • Gott wird in allen Lebewesen gesehen
  • Nach und nach Aufgeben der persönlichen Wünsche und Bedürfnisse
  • Mitmenschen und allen Lebewesen selbstlos helfen und dienen

(Berühmte Karma Yogis: Mahatma Gandhi, Mutter Theresa)

Vertiefendes zu Raja Yoga

Überblick

Raja Yoga stellt die im Westen am weitesten verbreitete Yoga Form dar, welche auch Hatha Yoga einschließt. Es gibt hier zwei Wege die beschritten werden können.

Das Raja Yoga nach Patanjali, bei welchem direkt mit dem Geist (mind) gearbeitet wird. Die Patanjali zugeschriebenen Sutras dienen hier als Grundlage für die Beschreitung des Yoga Weges.

Das Kundalini Yoga, bei welchem direkt mit der Vitalenergie gearbeitet wird.

1 — Raja Yoga nach Patanjali

(siehe auch Über die Meditation — Acht Stufen des Raja Yoga)

8 Stufen führen den Aspiranten auf dem Weg des Raja Yoga, weshalb es auch Ashtanga Yoga (ast‡n - 8) genannt wird. (Nicht verwechseln mit Ashtanga Vinyasa Yoga, s.g. Power Yoga, welches eine extrem dynamisch-technische Form des Hatha Yogas bezeichnet)

  1. Stufe - Yama
    Zügel, Beschränkungen, Beachten der Lebensgesetze (Bsp. Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, nicht stehlen ...).
  2. Stufe - Niyama
    Regel, Vorgaben, innere Kultivierung (Bsp. Reinheit, Genügsamkeit ...).
  3. Stufe - Asana
    Körperstellungen um den Körper frei, gesund und beweglich zu halten.
  4. Stufe - Pranayama
    Kontrolle der Vitalenergie mit Hilfe diverser Atemtechniken.
  5. Stufe - Pratyahara
    Zurückziehen der Sinne von den Objekten, wodurch der Geist zur Ruhe kommt.
  6. Stufe - Dharana
    Konzentration des Geistes auf ein äußeres oder inneres Objekt oder eine Idee. Dies führt zu Gedankenlosigkeit.
  7. Stufe - Dhyana
    Meditation. Dies beschreibt einen ununterbrochenen Fluss von Konzentration zu Gott hin.
  8. Stufe - Samadhi
    Selbstverwirklichung. Erreichen des Überbewusstseins.

Die Stufen 1. und 2. waren früher die Voraussetzung für den Eintritt in einen Ashram (Ort der Sammlung, Werkstatt).

Stufe 3. und die einfachen Formen von 4. werden bei uns oft als Hatha Yoga bezeichnet, was aber eine Vereinfachung der wirklichen Bedeutung darstellt. Die ursprüngliche Bedeutung des Hatha Yoga, beinhaltete die Praxis der Stufen 1 - 4 unter systematischer Anwendung der sechs Kriyas (Reinigungstechniken) um so die Grundlage zu schaffen, wieder in ein harmonisches Gleichgewicht zurück zu kehren.

Ab der Stufe 3. braucht es die Unterweisung durch einen Lehrer, wenn man schmerzhafte Erfahrungen vermeiden möchte.

Stufe 5. stellt die systematische Vorbereitung auf die Meditation dar.

2 — Kundalini Yoga

Kundalini = einer der Namen einer Form der Shakti (weibliche Energie).

Hier wird direkt mit Prana (Vitalenergie) gearbeitet. Ist die Kontrolle des Prana Flusses gemeistert und sind alle Nadis (Energiebahnen durch die Prana fließt) und Chakras (Energiezentren des Körpers) gereinigt, dann erwacht die Kundalini Energie.

Um den Pranafluss zu meistern und unter völlige Kontrolle zu bringen, sind zahlreiche Techniken zu erlernen, die alle in einer bestimmten Reihenfolge aufeinander aufbauen.

  1. Weg - Hatha Yoga, welches die Techniken  der Kriya, Asana, Pranayama, Mudra und Bandha beinhaltet und vom Yoga Aspiranten als erstes gemeistert werden müssen.
  2. Weg - Mantra Yoga, welches Klänge nutzt, um den Geist zu kontrollieren.
  3. Weg - Yantra Yoga nutzt geometrisch Formen für die Meditation
  4. Weg - Nada Yoga nutzt Musik
  5. Weg - Laya Yoga, hier konzentriert man sich auf den inneren Klang (Anahata) und das innere Licht

Pranakontrolle meint zu Beginn bewusstes Atmen. Dies beinhaltet die Beseitigung von Müdigkeit und Stress mit Hilfe des bewussten Atmens.

Dem folgt die Atemkontrolle, worunter die Erlangung von Gesundheit mit Hilfe der bewussten Atemführung fällt.

Als nächstes folgen die fortgeschritteneren Techniken, wie das minutenlange Anhalten des Atems bei gleichzeitiger körperlicher Aktivität und das s.g. Yogische Hüpfen, welches durch das stoßartige Austreten lassen der Prana Energie durch das I. Chakra erzeugt wird.

Alle Formen des Raja Yoga sind Ashtanga Yoga, was besagt, dass alle 8 Stufen notwendigerweise beschritten werden müssen, wenn das Ziel des Yoga (Eins sein) erreicht werden soll.

Literatur

Swami Janakananda - Yoga, Tantra und Meditation im Alltag
ISBN 91-6302425X
(Brillant aber leider schwer im Buchhandel zu bekommen. Kann über den oben angegebenen Ansprechpartner bezogen werden.)

T.K.V. Desikachar - Yoga, Tradition und Erfahrung
ISBN 3-928632000
(Sehr fundiert aber  nicht ausreichend für den Beginn einer eigenständigen Hatha Yoga Praxis)

Sivananda Yoga Zentrum - Yoga
ISBN 3-774249652
(sehr gute Anleitungen für den Einstieg in die Asana Praxis, phantastische Bilder)

Berufsverband Deutscher Yogalehrer - Der Weg des Yoga
ISBN 3-928632027
(Fundiert, viel zu Theorie und Hintergrund, Praxisteil nicht für den Einsteiger geeignet)

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