Willkommen bei Jutta Qu'ja Hartmann schmuckleiste

Zur Philosophie des Yoga

Was bedeutet Yoga?

Yoga bedeutet Harmonie, Vereinigung der Kräfte (lat. Yugum = Joch). Die Kräfte der Persönlichkeit sollen gebündelt und so nutzbar gemacht werden. Das Ziel ist zum einen die eigene spirituelle Entwicklung voranzutreiben, aber auch eine höhere Wirkungskraft und Effizienz im Alltag zu erlangen. Um diese Ziele zu erreichen, werden in der Yogatradition 4 Hauptwege beschrieben.

Diese 4 Wege sind zunächst im Ansatz verschieden, verfolgen aber das gleiche Ziel!

Eine Besonderheit im Sivananda Yoga ist, das hier verschiedene Techniken miteinander kombiniert werden. Daher nannte Sivananda seinen Stil „Integrales Yoga“.

Die 4 Wege Yoga

1.Raja Yoga

„Raja“ bedeutet Herrscher, König. Im Raja Yoga möchte man den menschlichen Geist (Verstand) beherrschen. In der alten Schrift des Weisen Patanjali, den „Yoga Sutras“ („Yoga Leitfaden“),

heisst es im ersten Vers: „Yoga ist das Zur-Ruhe-kommen der Gedanken im Geist“. Die Haupttechnik, die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen, ist die Meditation.

Interessanterweise ist aber das im Westen so geschätzte Hatha Yoga ein Teil des Raja Yoga!

Die Körperlichen Übungen (Asana) und auch die Atemübungen (Pranayama) sind hier als Vorstufen für das schrittweise Beruhigen der Gedanken zu verstehen. Die unmittelbare Vorstufe zur Meditation ist die Konzentration.

2.Jnana Yoga

Dies ist der Yoga des Wissens, der Philosophie. Darunter kann man im weitesten Sinn alles Denken und Philosophieren fassen. Im engeren Sinn bezieht sich der Begriff Jnana Yoga auf Kenntnis religiöser Schriften, logisches Analysieren, um dadurch zu höherer Erkenntnis zu gelangen.

Ein Beispiel: „Prajnam Brahman.“ Dies ist ein klassischer Weisheitssatz aus dem Jnana Yoga und bedeutet soviel wie: „Alles Sein ist Bewusstsein.“, oder „Alles Bewusstsein ist Gott.“.

Durch Analyse und abstraktes Hinterfragen versucht der Jnana Yogi, diese Weisheit zu verstehen. Wenn er sie verstanden hat, ist das keine intellektuelle Lösung, sondern eine spirituelle Wandlung und Erkenntnis, die sich vollzogen hat. Hier wird schon deutlich, wie die Yoga Wege ineinandergreifen, denn um Weisheit jenseits des Verstandes zu erhalten, muss man über solche Sätze meditieren.

3.Karma Yoga

„Karma“ bedeutet zunächst einfach nur „Handlung“. Karma Yoga ist also der Yoga des Handelns. (Dies hat nicht im engeren Sinne etwas zu tun mit dem Karmabegriff verstanden als Schicksal/Ursache-Wirkungszusammenhängen). Ein Karma Yogi handelt selbstlos, also mit unseren Worten gesagt ehrenamtlich. Karma Yoga ist der Yoga des Dienstes am Menschen. Mutter Theresa kann man als eine Vertreterin des Karma Yoga verstehen. Der selbstlose Dienst hat das Ziel, Eigenschaften wie Mitgefühl, Anteilnahme, Liebe zum Mitmenschen zu entwickeln und zu fördern.

Das besondere dabei ist aber, das Karma Yoga volles Engagement bedeutet ohne Erwartung einer Gegenleistung. Das eigene Schaffen wird Gott gewidmet. Am Ende des Karma Yoga Weges steht die Erkenntnis, dass ein Dienst an den Menschen auch ein Dienst an Gott ist, und alle Menschen teil dieser wundervollen Schöpfung sind. Hier wird wieder deutlich, dass sich am Ziel die Wege treffen. Hier entsteht durch einen Handlungsprozess eine Erkenntnis (Jnana).

Im Karma Yoga liegt auch der soziale Aspekt des Yoga: durch den Dienst am Menschen wird das eigene Üben und der eigene Fortschritt mit den Mitmenschen geteilt. Die wenigsten Yogis sitzen in einer Höhle im Himalaya. (Wenn, dann meist nur für eine Phase der Askese.) Swami Sivananda hat beispielsweise in seiner Funktion als Arzt ein Krankenhaus gegründet, dass kostenlos Arme behandelt.

4. Bhakti Yoga

„Bhakti“ bedeutet „Liebe, Hingabe“. Hierzu gehört an erster Stelle das Singen von Mantras und heiligen Liedern. Dem Bhakti Yoga zuzuordnen sind auch Gebet, Zeremonien, Rituale, die Gott verehren und die Liebe zu Gott fördern oder ihr Ausdruck verleihen. Meist wird im Bhakti Yoga ein konkretes Symbol für das Göttliche, eine Gottheit oder ein(e) Heilige(r) verehrt. Durch das Singen und die zeremoniellen Handlungen versucht der Bhakti Yogi, sich innerlich ganz für das von ihm als Höchstes verehrte zu öffnen. Am Ende richtet er sich vollkommen darauf aus und wird damit eins. Hier ist im Ziel auch wieder die Verbindung zu den anderen Yoga Wegen zu sehen: wenn der Bhakti Yogi ganz auf seinen Gott ausgerichtet ist und nur noch an Ihn denkt, ist sein Geist einpünktig, er ist also Herr (Raja) seines Geistes. Aus Sicht des Jnana Yoga kann man sagen, dass er Gott als allgegenwärtig erkennt.

Es heisst in der Überlieferung, dass wir uns noch lange Zeit im Kali Yuga, dem „dunklen Zeitalter“ befinden. Für dieses Zeitalter wird als wirkungsvollste Methode der Bhakti Yoga empfohlen, vor allem das Singen.

Je nach Persönlichkeit eines Menschen können Techniken aus den Yogawegen ausgewählt werden. Ein analytischer Mensch wird also dazu tendieren, Techniken aus dem Jnana Yoga und

Raja Yoga zu praktizieren. Swami Sivananda war ein Meister in allen Yogawegen. Er hat seine Schüler zum einen je nach Persönlichkeit und Talent schwerpunktmässig in einem Yogaweg unterrichtet. Zum anderen hat er den Integralen Yogaweg vertreten, um bei allen Übenden die gesamte Persönlichkeit zu fördern und zu entwickeln.

Ziel des Yoga

Laut der vedischen Philosophie ist Brahman (Gott), etwas, das die ganze Welt durchdringt wie das Salz den Ozean. Brahman in uns wird Atman genannt (das Selbst). Die gute Nachricht ist also:

Im Kern unseres Selbst sind wir Gott. Dies kann man so verstehen wie den Auspruch von Jesus: „Mein Vater und ich sind eins.“

Dieses Selbst ist reines Sein, Wissen, Wonne. Je weiter wir uns unserem Kern nähern, umso stärker sind diese Qualitäten spürbar.

Lokah samastah sukino bhavantu
Mögen alle Wesen Glück und Harmonie erfahren.

Om Tat Sat

Zurück zu den Veröffentlichungen