Willkommen bei Jutta Qu'ja Hartmann schmuckleiste
Schamanische Taufe
USA — 280km freier Blick —
Manche atmen begeistert auf, andere packt das Gruseln
bei so viel Weite und Menschenleere.
Foto: Silke Wagner

Schamanische Taufe
Jaipur, Indien — Dichter Verkehr, klingeln, hupen, rufen …
— da quellen einem die Ohren über, so eine Lautstärke
gibt es in Deutschland auf keiner Straße!













































Schamanische Taufe
Neue Sinneseindrücke, die sich vertraut anfühlen,
lassen uns strahlen.
(Hier in künstlerischer Form ausgedrückt.)
Copyright: Minghao Xu

















































Schamanische Taufe
Erst entspannen, dann reisen!
Copyright:© Krawuzikabuzi — Fotolia.com


Reisen in ferne Länder

Kulturschock verstehen und sinnvoll handeln
 — 1. Teil

Verstehen —
Was ist Kulturschock?
Nach meinen Erfahrungen handelt es sich beim Kulturschock um ein Verarbeitungsproblem des Gehirns. Therapeutisch wird Kulturschock als Anpassungsstörung beschrieben. Das ist meines Erachtens eine sehr treffende Beschreibung, denn tatsächlich hat man Schwierigkeiten, sich an die neue, fremde Situation anzupassen. Die Erklärungen dafür, woher diese Schwierigkeiten rühren, sind unterschiedlich. Im Wikipedia–Eintrag wird der therapeutische Erklärungsansatz dargestellt (Link siehe unten). Ich beschreibe in diesem kleinen Artikel, was im Zusammenspiel von Körper—Hirn—Umwelt geschieht und welche Verhaltensreaktionen und welche Empfindungen sich daraus ergeben. Und ich stelle kleine Lösungen vor — kleine Hilfen, die mir und meinen Mitreisenden bei Fernreisen sehr geholfen haben.

Beispiel:
Wenn wir in einem Urlaubsland ankommen und uns dort direkt vertraut fühlen, dann atmen wir das neue Aroma tief ein, freuen uns an der anderen Sprache, den anderen Sitten, finden das Andere spannend, anregend, abenteuerlich und fühlen uns großartig. Je nach Dauer der Anreise brauchen wir dann eine Pause und fühlen uns am kommenden Tag bereit für alles was entdeckt werden kann.
Dieser Idealfall tritt immer dann ein, wenn wir in einer Kultur ankommen, die uns persönlich Geborgenheit vermittelt, wo die veränderten Geräusche, Gerüche, Temperaturen … bei uns nicht Alarm-Stress sondern lebendiges Angeregtsein (s.g. Eu-Stress) erzeugt.

Und jetzt die andere Situation:
Erneut kommen wir in einem Reiseland an und erleben die Geräusche, Gerüche, die Umgebung, das Verhalten der Menschen. Doch in diesem Fall fühlen wir uns nicht geborgen und sicher sondern erleben den Großteil der Eindrücke als fremd. Das erzeugt Alarm-Stress, d.h. wir erkennen den neuen Ort nicht als vertrauenswürdig. Dieser Eindruck reicht aus und unser Körper startet sein Alarm–Programm, er bereitet seine Anpassungsreaktion (verbunden mit den Überlebensreaktionen angreifen, weglaufen und totstellen) vor. (Bekannt als fight–or–flight–Reaktion.)
Während das geschieht versucht das Gehirn weiterhin Bekanntes, Vertrautes in den neuen Eindrücken zu finden.
Und dann passiert es: Je höher wir den Stress empfinden, je aktiver das Alarm–Programm ist, desto schneller versucht das Gehirn eine Lösung zu finden, schneller und schneller — Aber in unseren Erinnerungsspeichern sind keine Erfahrungen gespeichert, die die Gerüche, Geräusche, die Vielzahl der neuen Eindrücke als bekannt, vertraut und somit ungefährlich interpretieren ließen.
Das bedeutet, das Gehirn erkennt die neuen Eindrücke nicht. Es liegt keine ausreichende Zahl früherer Erfahrungen vor, die das Gehirn erinnern kann, um dem Alarmsystem melden zu können: „Das kenne ich, das haben wir schon mal gerochen, gehört, erlebt …, das war damals sicher.“
Wäre das der Fall, würde das Alarmsystem wieder herunterfahren und wir würden uns sicher und angenehm angeregt fühlen.

Da das Gehirn keine positive Meldung machen kann, fährt der Alarm immer weiter hoch. In dieser Situation hat das Gehirn seine Fähigkeit, neue Eindrücke offen wahrnehmen zu können eingebüßt. Unser Körper registriert weiterhin alle Eindrücke, diese werden inzwischen aber als 'zu viel', 'bedrohlich' … erlebt.
Jetzt ist man im Kulturschock.

Im ersten und im zweiten Beispiel macht das Gehirn das gleiche: Es nimmt die unzähligen neuen Eindrücke auf und verarbeitet sie. Und zwar versucht es Übereinstimmungen zu finden mit bereits vorhandenen Daten, d.h. früher aufgenommen und bereits verarbeiteten Sinneseindrücken, die zu Erinnerungen und Erfahrungen weiterverarbeitet wurden.
Diese gespeicherten Daten stellen für alle neuen Sinneseindrücke den Bezugsrahmen dar, mit dem neue eingehende Daten (Gerüche, Geräusche, Geschmäcker, visuelle Eindrücke …) abgeglichen werden.

Kulturschock bedeutet, das Gehirn kann keine zutreffende Beziehung herstellen zwischen früheren, bereits gespeicherten Daten und den neuen einströmenden Daten/Sinneseindrücken.
Bis zu einer gewissen Menge an neuen Eindrücken erzeugt das Interesse, Abenteuerlust, Angeregtheit …. Wird die Menge an Neueindrücken, bei denen man sich noch sicher fühlt überschritten, so geht das Alarm-System in 'Bereitschaft'. Nimmt die Flut unbekannter Eindrücke dann nicht ab und findet das Gehirn im persönlichen Bezugsrahmen weiterhin keine nennenswerten Übereinstimmungen, so erzeugt dies Gefühle wie Orientierungslosigkeit, Haltlosigkeit, die Umgebung ist nicht vertraut.
Schon nach kürzester Zeit fühlt man sich überfordert. Das Alarmsystem schaltet an, die fight–or–flight–Reaktion beginnt zu wirken.

Jetzt ist das Handeln oft irrational. Man fühlt sich sehr unwohl, will nur noch weg, egal wie. Begleitet wird der Wunsch von zunehmender Aggressivität oder dem Gefühl der Jämmerlichkeit, man wird weinerlich, verzweifelt.
Hier ist das Alarm–System vollständig hochgefahren, jetzt hilft nur noch strikter Rückzug und weitgehende Abstinenz von weiteren Sinnesreizen.

Ein kleiner Hinweis: Kulturschock kann zu jeder Zeit der Reise auftreten, auch wenn man schon wochenlang vor Ort ist. Er kann einen auch bei der Rückkehr ins Heimatland erwischen, der s.g. „Umgekehrte Kulturschock“ (re-entry shock).
Kulturschock ereilt einen leichter, wenn man ohne Vorbereitung und ohne Anpasssungszeit in ferne Länder reist.

Sinnvoll Handeln —
Vorbeugung:
Will man einem Kulturschock vorbeugen, bereitet man sich auf die Reise in das Land vor.

  • Bücher lesen, Filme anschauen ….
  • ein paar Alltagsfloskeln in der Landessprache lernen.
  • Landesküche in Restaurants erproben und mit den Restaurantbesitzern über ihr Heimatland sprechen.
  • Vorträge über das Land hören (z.B. in Kulturinstituten des Landes. Die gibt es in vielen Städten in Deutschland).
  • Die Reise nicht direkt nach anstrengenden Arbeitsphasen unternehmen. Erst ein paar Tage in vertrauter Umgebung Stress reduzieren. Dadurch entsteht mehr Stresstoleranz, die im Reiseland den entscheidenden Unterschied machen kann zwischen Alarm-Stress und Eu-Stress.

Wenn es einen doch erwischt:
Um die Zeit während des Kulturschocks nicht nur als Belastung zu erleben, sondern auch als Möglichkeit zu nutzen, sich selber zu verstehen, empfehle ich folgende Schritte:

1.
Rückzug — Was wir dringend brauchen ist Rückzug. Also empfehle ich, sich in einem ruhigen Hotelzimmer einzuquartieren oder einen anderen Ort aufzusuchen, wo man mehrere Tage zurückgezogen leben kann. Ruhe ist wichtig!
Grundregel: Wenig Kontakt und das Zimmer nicht verlassen! Viel trinken, wenig essen.

2.
Bekanntes anbieten — Jetzt braucht das Gehirn Sinneseindrücke, die ihm bekannt sind. Jetzt kommen die Mitbringsel von daheim aus dem Koffer. Ein Kopfkissenbezug (riecht nach zuhause), Wasser, das man schon zuhause immer trinkt, Kräutertee (hat heilende Wirkung) ….

3.
Körper beruhigen — Kräutertee trinken, sich selber sanft massieren, leichte Gymnastikübungen oder Yoga machen, regelmäßig Atmen.

4.
Geist beruhigen — Lieblingsbuch lesen, keine Ablenkung, ruhige abwechslungsarme Tätigkeit (Topflappen häkeln, Schachfigur schnitzen …). Kein Fernsehen!

5.
Sich ausreichend Zeit zur Stress-Reduktion und Akklimatisierung nehmen!

Mitnehmen —
Das braucht es, wenn einen der Kulturschock packt oder wenn erste Vorzeichen zu bemerken sind — nur Lieblingsteile mitnehmen!

  • vertrautes Lieblingsbuch — der Geist wird in gewohnte Bahnen „zurück–gelesen“.
  • Kissenbezug — damit es wie im Bett zuhause riecht!
  • 1—2 l Wasser von daheim — So schmeckt Heimat. (Muß bei Flugreisen im Koffer transportiert werden, im Handgepäck nicht erlaubt.)
  • Kräutertee-Mischung — die man schon kennt und einem gut tut. (Nicht möglich bei Reisen in die USA.)
  • Kuscheltier — vermittelt Geborgenheit.
  • Massageöl — mit vertrautem Geruch.

Weitere Infos —

Wikipedia — Eintrag über Kulturschock
http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturschock

Fokus Magazin — Serie über Kulturschock
http://www.focus.de/reisen/tid-12578/fernreisen-haben-sie-einen-kulturschock_aid_349157.html

Spiegel-online — Verschiedene Beiträge über Kulturschock
http://www.spiegel.de/thema/kulturschock/


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